Eltern, die ihre Kinder verkaufen? Undenkbar! So scheint dies im ersten Augenblick zu klingen. Doch leider ist Kinderhandel auch heute noch kein Ausnahmefall.

Jährlich werden weltweit über eine Million Kinder verkauft. Sie werden als billige Arbeitskräfte oder Sexobjekte missbraucht oder zum Stehlen und Betteln gezwungen. Dies geht aus einer Untersuchung der Hilfsorganisation „terre des hommes Deutschland e.V.“ hervor.

Kinderhandel hat sich besonders in den Staaten etabliert, wo Menschen in Armut und ohne jegliche Zukunftsperspektive leben. Ein erschreckendes Beispiel ist Afghanistan. Das Volk, seit nunmehr 30 Jahren von Krieg und Hunger geplagt, ohne Hoffnung auf eine ruhigere, verheißungsvollere Zukunft, wird jedes Jahr im Winter von neuem auf die Probe gestellt. Die ohnehin schon harten Lebensbedingungen werden vor allem im Winter weiter erschwert, oftmals mit tausendfach tödlichem Ausgang. Im letzten Winter wurden bis zu minus 30 Grad Celsius gemessen; bis zu 1 000 Menschen erlagen Erfrierungen, Lungenentzündungen und Hunger. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Und: Der Winter trifft größtenteils die besonders Schwachen, die auch ohne den harten Winter ein tristes, karges Dasein führen, immer an der Schwelle zum Tod, sei es durch Hunger oder durch Krankheiten.

An dieser Situation verzweifeln besonders Familien mit Kindern. Sie wissen nicht mehr weiter, können auf keine Hilfe hoffen – weder vom Staat noch von ihren Mitmenschen. Die erdrückende Verzweiflung treibt die Menschen oftmals dazu, ihre Kinder zu verkaufen, einerseits in der Hoffnung, ihr Kind möge es woanders besser haben, andererseits erhoffen sie sich von dem „Erlös“ eine zumindest kurzfristige Verbesserung ihres trostlosen Lebens.

An dieser Verzweiflungstat hat nun auch Sayed Ali (Name geändert) zu leiden, denn der 40-jährige Familienvater verkaufte seine 11-jährige Tochter Rabia für 2 000 US-Dollar, damit er seine Frau und seine drei jüngeren Kinder ernähren kann.

Durch die rasant ansteigenden Lebensmittelpreise, die hohe Arbeitslosenquote und die Kälte sehen sich immer mehr Eltern in Afghanistan gezwungen, eines ihrer Kinder zu verkaufen, um die restlichen Familienmitglieder vor dem Verhungern zu retten.

Sayed Ali erzählt:

„Nicht einmal Tiere verkaufen ihre Kinder, weil sie sie lieben und für sie sterben, geschweige denn Menschen. Ich stand für zu viele Tage neben den Straßen und fragte Leute um Arbeit, aber ich fand keine. Ich konnte nicht mit leeren Händen nach Hause gehen und meine hungrigen Kinder enttäuschen, also wühlte ich im Müll und sammelte übrig gebliebenes Essen.

Ich log meine Familie an und sagte, dass ich ihnen Essen vom Markt gekauft hätte. Aber jetzt ist es sogar wirklich hart, etwas Essbares im Müll zu finden, aufgrund der gestiegenen Lebensmittelpreise. Die Leute essen nun alle ihre Nahrung, weil es so teuer ist, und auch die Zahl derer, die im Müll Essen suchen, ist gewachsen.“

Ich bin Analphabet, darum gibt mir niemand Arbeit. Ich bin Analphabet aufgrund von Krieg und Armut. Ich ging nicht zur Schule, weil meine Eltern wollten, dass ich arbeite. Meine Kinder gehen auch nicht zur Schule, und sie werden auch Analphabeten werden wie ich.

Wie kann jemand sein eigenes Kind verkaufen? Das ist als ob du deine Augen oder dein Herz verkaufst!

Da mir niemand Arbeit geben wollte, sah ich keine andere Möglichkeit, als meine reizende Tochter zu verkaufen. Ich verkaufte sie, um den Rest der Familie zu retten. Ich verkaufte sie, nur um Essen für meine jüngeren Kinder zu kaufen, die sonst an Hunger gestorben wären.

Ich weiß, die Leute werden sagen, dass ich ein grausamer und unbarmherziger Vater bin, der sein eigenes Kind verkauft hat, aber die, die das sagen, wissen nichts von der Not und haben niemals den Hunger gefühlt, an dem meine Familie leidet.

Ich kenne andere arme Menschen, die keine Kinder haben und sagen, wenn nötig werden sie sich selbst in die Luft jagen (in einem Selbstmordanschlag) und andere Menschen töten, um ihre Familie zu ernähren.

Ich hoffe, die Regierung hört meine Stimme und hilft Leuten wie mir, Arbeit zu finden und unsere Familien zu ernähren.“

Afghanistan kurz gefasst:

Hauptstadt: Kabul

Einwohnerzahl: ca. 25 Mio. (2007)

Amtssprache: Paschtu, Dari

Geographie: Afghanistan ist ein Binnenstaat an der Schnittstelle von Zentralasien und Südasien. Es grenzt an den Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, die Volksrepublik China und Pakistan.

Geschichte: Im Gebiet Khorasan Wa Mawar al-Nahr im Osten des Iran begründete der Paschtune Ahmad Schah Durrani im Jahr 1747 ein selbstständiges Königreich, das als Vorgänger des modernen Staates Afghanistan betrachtet werden kann. Damit gilt er allgemein als der Begründer Afghanistans. Das Land ist seit 2004 eine Islamische Republik und Hamid Karzai ist der erste direktgewählte Präsident Afghanistans. Die letzte Präsidentschaftswahl fand am 20. August 2009 statt und führte zur Wiederwahl von Hamid Karzai.